Häufig gestellte Fragen zur Frauenquote und unsere Antworten

Aus DiB-Wiki

DEMOKRATIE IN BEWEGUNG (DiB) ist sich bewusst, dass aktuell eine starke strukturelle Diskriminierung von Frauen* herrscht. Frauen* sind in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens unterrepräsentiert. Das sieht man unter anderem am aktuellen Bundestag, in dem gerade mal 30% der Abgeordneten Frauen* sind. Das sieht man auch an Aufsichtsräten und Vorständen großer Unternehmen, in der Medienbranche, der Wissenschaft und in vielen anderen Bereichen.

DEMOKRATIE IN BEWEGUNG (DiB) hat es sich daher in ihrer Satzung als Ziel gesetzt, die politische Willensbildung und Teilhabe von Frauen* zu fördern. Es ist uns ein Anliegen, mehr Frauen* in die Politik zu bringen. Mit dem Bewusstsein, dass die Strukturen in der Politik immer noch sehr männlich geprägt sind und auch niemand von uns (also Männer und Frauen*) frei von sexistischen Vorurteilen ist, haben wir uns für eine Frauenquote entschieden.

Sicherlich stellt die Festsetzung einer Quote einen starken Eingriff in die Wahlfreiheit dar. Ein solcher Eingriff kann nur durch ein höheres Ziel gerechtfertigt werden. Im Fall der Frauenquote ist dies das Durchbrechen und die Prävention struktureller Diskriminierung. Deswegen fordern wir eine Quote von “mindestens 50 Prozent” Frauen.

Frauen* sind selbstverständlich nicht die einzige Gruppe, die strukturelle Diskriminierung erfährt. Deswegen haben wir bei DEMOKRATIE IN BEWEGUNG (DiB) neben einer Frauenquote auch eine Quote für Menschen mit Diskriminierungserfahrungen. Wir setzen uns für eine pluralistische und vielfältige Gesellschaft ein und sehen Quoten als eines von vielen Mitteln, um diese zu erreichen und freuen uns auf den Tag, an dem sie nicht mehr nötig sind und wir sie abschaffen können.

Diskriminiert die Quote nicht die Männer?

Nein. Die Quote schränkt zwar die Wahlfreiheit ein - allerdings auch die Wahlfreiheit der Frauen*. Diese Einschränkung lässt sich jedoch einfach darüber rechtfertigen, dass eine Quote die strukturelle Diskriminierung von Frauen* verhindert.

Sollten nicht lieber Qualifikation und Interesse im Vordergrund stehen?

Wenn es um Fähigkeiten gehen würde, hätten sich in vielen Bereichen unserer Gesellschaft andere Personen durchgesetzt. Doch leider geht es meist um Seilschaften und (unbewusste) Denkmuster, die es bestimmten Personen leichter und anderen deutlich schwerer machen. Menschen umgeben sich mit dem, was sie kennen und wovon sie sich nicht bedroht fühlen. Daher sorgen mehr Frauen* dafür, dass mehr Frauen* gewählt werden. Dieser Effekt nennt sich “homosoziale Reproduktion” und führt im Moment dazu, dass Frauen* trotz Qualifikation und Interesse nicht dieselben Chancen haben wie Männer. Weil im Moment die Männer an der Spitze stehen und für Männernachzug sorgen. Hinzu kommt, dass Frauen im Schnitt besser qualifiziert sind, als Männer[1]. Wenn also das Argument der Qualifikation im Vordergrund stehen würde, hätten wir mehr Frauen* in Gremien, Vorständen usw.

Warum sind alle ersten Listenplätze Frauen vorbehalten?

Es ist wichtig, eine Frauenquote zu haben, die nicht nur dafür sorgt, dass mindestens die Hälfte der Menschen auf den Listen Frauen* sind, sondern auch dafür, dass diese Frauen* nicht ganz unten auf der Liste stehen. Denn so gibt es zwar gewählte Frauen*, die stoßen aber an eine Grenze, Einfluss zu nehmen - Dieses Phänomen nennt man “Gläserne Decke”. Das bedeutet, dass Frauen*, egal, wie viel Energie, Können und Zeit sie investieren, immer an eine Grenze kommen, an der sie nicht weiterkommen, weil sie Frauen* sind. Diese Grenze durchbrechen wir mit dem ersten Listenplatz für Frauen*. Besonders in kleinen Bundesländern, in denen selbst mit hohen Prozentzahlen nicht viele Sitze geholt werden, ist es wichtig, dass Frauen* weit oben auf der Liste stehen, um Gleichberechtigung aufzubauen.

Gibt es nicht bessere Mittel als Quoten, um Gleichstellung zu erreichen?

Es gibt natürlich viele Wege, Gleichstellung zu erreichen. Aber eine Quote ist das einzige Mittel, das sofort und unmittelbar gegen die strukturelle Diskriminierung wirkt. Wir setzten uns natürlich auch auf anderen Wegen dafür ein, Gleichberechtigung zu erreichen. Wichtig dabei ist aber, dass die Quote das erste und sehr strenge Instrument ist, in seiner Umsetzung aber wirkt.

Haben wir nicht schon Gleichberechtigung?

Vor dem Gesetz mag es keine Unterschiede mehr geben, aber in der Praxis gibt es immer noch Ungleichbehandlungen. Man werfe zum Beispiel einen Blick auf den Frauenanteil in den größten deutschen Unternehmen.

Warum nicht einfach 50%/50%?

Uns ist bewusst, dass auch eine 50-Prozent-Frauen* und 50-Prozent-Männer Quote gegen die strukturelle Diskriminierung von Frauen* wirken würde. Eine Quote schränkt allerdings immer die Wahlfreiheit ein (auch die der Frauen*) und muss somit gerechtfertigt werden. Bei einer 50/50-Prozent-Quote, hat man eine stärkere Einschränkung als bei “mindestens 50% Frauen*”, weil dort offen ist, wie die restlichen 50 Prozent besetzt werden.

Und es gibt keine strukturelle Diskriminierung von Männern, die diese Einschränkung rechtfertigen würde. Hinzu kommt, dass die Quote ein Zwang ist, der in der Zukunft nicht mehr sein soll. Weil Gleichberechtigung herrscht. Bis diese aber erreicht ist, müssen wir stärker auf die Diskriminierung der Frauen* hinweisen. Mit einer Quote, die “mindestens” enthält, garantieren wir, dass wir den Finger in die Wunde legen. Weil wir zeigen, dass wir die Diskriminierung in Gegenwart und Vergangenheit erkennen und so lange Frauen* nach vorne bringen, bis Frauen* und Männer gleichgestellt sind.

[1] Quelle